Deutsche Meisterschaft Grundschulen 2018 06. – 09. Mai 2018

Hier sind wir nun – Friedrichroda 2018!
Erstes Etappenziel erreicht. Vor drei Jahren haben wir mit der AG begonnen. Mit einem durchdachten Konzept und einem klaren Ziel vor Augen. Als 3. platzierte Grundschule in Berlin haben wir uns für die Deutsche Schulschachmeisterschaft 2018 qualifiziert.  Nun wollten wir uns mit den Besten messen. Wir wollten beweisen, dass unser Erfolg in Berlin kein Zufall war. 78 Mannschaften aus ganz Deutschland mit 434 Grundschüler wollten das Gleiche beweisen.

Ganz zu Beginn dieses Berichts möchte ich mich bei Doerte Alex und Sabine Hafener bedanken die mitgefahren sind und großartig unterstützt haben. Ein sehr großer Dank geht auch an unseren Sponsor Gregorys, der uns mit T-Shirts ausgestattet hat.

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Wir sind nicht mit der allerstärksten Mannschaft angereist aber dennoch mit viel Hoffnung und Ehrgeiz im Gepäck. Es sollten 9 Runden mit jeweils 30 Minuten Bedenkzeit gespielt werden. Unsere suboptimale Vorbereitung (keine AG nach den Osterferien) erlaubte es nicht, das Gefühl von 30 Minuten Spielzeit nachvollziehen und empfinden zu können. Ein Nachteil, wie sich in den ersten Runden zeigen sollte.

Teamphoto

Unser Team mit T-Shirts vom neuen Sponsor: Gregorys www.gregorysgermany.de

Unsere Aufstellung:

  1. Vassiliou, Leander
  2. Kakanis, Nicholas
  3. Nguyen, Tony
  4. Hafener, Arne

1.Tag

Ohne Frage bietet das AHORN – Hotel viele Angebote und Reize für die Kinder. Einerseits schön, andererseits eine große Ablenkung vom eigentlich Sinn der Reise und des Aufenthalts. Schwimmbad, Tischtennis, Billard, Flipper, Spielzimmer….alles wurde ausprobiert bevor es, bedingt durch die späte Betreuersitzung, auch spät ins Bett ging.

2. Tag

Früh aufstehen um 07:00 Uhr im Frühstücksraum zu sein. Danach nochmal an die frische Luft und die letzten Anweisungen vor der ersten Partie. Die Spannung stieg sowohl bei unseren Spielern als auch beim Betreuer.

  1. Runde:

1.RundeUnser erster Gegner die Schule am Auwald aus Leipzig. Ein Turnierfavorit und spätere Zweitplatzierte. Der Wettkampf war früh entschieden….zu früh…Arne und Tony strichen die Segel. Das sollte sich zumindest bei Arne in den nächsten Runden deutlich verändern.  Bei Tony war die Enttäuschung groß. Leider auch seine Überheblichkeit. Er blitze seine Partie in 5 Minuten zu Ende. Der Gegner konnte jedoch auch Schach und so kam eine schnelle Niederlage. Nicholas stemmte sich noch etwas gegen die Niederlage aber stand auf verlorenem Posten. Eine Mischung aus Aufregung, starkem Gegner aber auch Unerfahrenheit sorgten schnell für die Entscheidung. Lediglich Leander konnte seinem starken Gegner DWZ 1169 Paroli bieten. Gewann nach einer schönen Kombination eine Leichtfigur und stand deutlich auf Gewinn. Nur die Zeit sorgte für die Niederlage. Es gab keinen Punkt aber die Komplimente des gegnerischen Trainers und das Eingeständnis des Gegners, dass er deutlich auf Verlust stand.

  1. Runde:

2.RundeUns wurde die Grundschule Kletterrose Burg Stargard 1./2.Kl zugelost. Eine junge Mannschaft, die uns keine größeren Sorgen bereitet. An den ersten drei Brettern wurde schnell deutlich, dass Siege eingefahren werden können. Auch Arne am vierten Brett spielte eine solide Partie und hatte seinen Gegner am Rande der Niederlage. Dabei übersah er zwei Mal ein zweizügiges Mat. Und irgendwie hat es sein Gegner geschafft sich aus der Umklammerung zu befreien und selber eine Mattdrohung aufzubauen. Eine die Arne wohl in der Euphorie kurz vor dem Sieg zu stehen übersehen hat. Die Partie ging an den Gegner.

  1. Runde

3.RundeDer spätere 10. Platzierte. Ein starker Gegner…zu stark für uns, wie das Ergebnis vermuten lässt. Lediglich der Betrachter vor Ort weiß, dass hier bis zu 3 Brettpunkte drin waren. Leander spielte eine sehr souveräne Partie. Konnte mit Weiß seine Gegnerin früh in Bedrängnis bringen und eine Leichtfigur erobern. Sehr nah an Siegen waren auch Tony und Arne. Tony fand gute Züge und konnte Druck aufbauen. Einmal mehr ist er Opfer seines schnellen Spiels geworden. Während er nur seinen Angriff im Kopf hatte, baute der Gegner eine schöne Mattdrohung auf, die man nur übersehen konnte, wenn man innerhalb von Sekunden seine Züge absolvieren würde. Und genau das hat Tony gemacht. Entsprechend groß war die Enttäuschung.

Arne verlor ebenfalls seine Partien obwohl er sich mehr Zeit genommen hat. Ebenfalls eine unnötige und unglückliche Niederlage. Es war deutlich, dass Arne Lehrgeld zahlt. Aber es wurde klar, dass er über ein schnelles und großes Auffassungsvermögen verfügt!!! Die Enttäuschung war Arne anzusehen. In solchen Momenten gibt es Menschen die lange mit der vergebenen Chance hadern. Arne ärgerte sich auch (kurz) und richtete sich dann mit dem entsprechenden Feedback wieder auf. Ehrgeiz und Entschlossenheit waren nun spürbar. Gepaart mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten führten diese in der nächsten Runde zum ersten persönlichen Punkt! Die Runde machte trotz deutlicher Niederlage Mut, den die Partien waren bei weitem nicht so deutlich wie das Ergebnis es vermuten lässt. Dennoch lag das Gefühl im Raum, dass sich noch nicht alle Spieler absolut auf unser Ziel fokussieren konnten.

4.Runde

4.RundeDie 4. Runde brachte uns die 60.Schule aus Leipzig, die bis dahin genau wie wir 4 Brettpunkte aus 3 Runden geholt hatten. Ein Gegner auf Augenhöhe und so hoffte ich auf siegreiche Partien. Meine Hoffnungen wurden leider nicht erfüllt. Nicholas und Tony spielten mal wieder sehr schnell und obwohl beide sehr viel Potenzial haben konnten sie es auch in dieser Runde nicht aufs Brett bringen. Leander musste sich mit einem Remis zufrieden geben, nachdem in einer Kombination mehrere Figuren abgetauscht wurden und ein Bauernendspiel aufs Brett kam, das nicht mehr zu gewinnen war. Lediglich Arne konnte einen vollen Punkt einfahren und es sollte sich als Initialzündung erweisen. Jetzt war er richtig im Turnier drin! Nun standen wir nach 4 Runden mit 5,5 Brettpunkten auf Tabellenplatz 67. Ein unzufriedener Zustand.

5.RundeDie 5. und letzte Runde an diesem Tag brachte uns die Mannschaft der Evangelischen Grundschule Coswig – eine Mädchenmannschaft. Leander und Arne zeigten souveräne Partien und konnten Punkte einfahren. Nicholas und Tony mussten sich leider geschlagen geben. Dem schnellen Spiel der beiden wollte ich entgegenwirken und habe beide dazu „verdonnert“ ihre nächsten Partien aufzuschreiben. Davon erhoffte ich mir ein langsameres Spiel. Nach dem ersten Tag standen wir mit 7,5 aus 20 möglichen Punkten da und damit unter unserem Setzlistenplatz.

4. Tag

Die 6. Runde:
6.RundeDie Burgschule Peine war auf dem Papier etwas schwächer als wir, aber unsere Mannschaft war nicht gut in dieses Turnier gestartet und musste auch auf der psychologischen Ebene damit fertig werden. Daher war es mir sehr wichtig, dass die Jungs ihre Partien in dieser Runde möglichst nicht verlieren. Die schnellen Remis zeigten auch, dass keiner verlieren wollte. Einerseits war das für die Psyche gut (gerade für Tony und Nicholas sehr wichtig, die bis dahin beide nur 1 Punkt hatten), andererseits waren die vereinbarten Remis nach 5 Minuten auch ein Zeichen, dass sich keiner so richtig quälen wollte. Leander saß alleine am Brett und grübelte sehr lange über die Stellung nach. Dann entschied er sich für eine Kombination aus der er mit einem Mehrbauern kam. Da er während der Partie auch schon einen Bauern mehr hatte konnte er die Partie (auf den letzten Drücker) siegreich gestalten.

  1. Runde:
    7.Runde

    Unser beste Runde! Die Grundschule Lichtenhagen mit Kindern aus der 1 und 2 Klasse angetreten gingen selbstbewusst ans Werk, da die Runde davor 3 Punkte eingefahren werden konnten. Aber ebenso stark und selbstbewusst sind unsere Jungs angetreten, nachdem es ein „Wachrütteln“ vom Betreuer gab. Wir hatten uns die volle Punktzahl vorgenommen. Die Motivationsrede hat alle heiß gemacht. Die Jungs spielten sehr konzentriert. Tony und Nicholas notierten ihre Partien und wir freuten uns über ein deutliches 4-0. Nun standen wir mit 14 Brettpunkten auf den 44 Tabellenplatz und ich hoffte den „Wind“ in die nächste Runde mitnehmen zu können.

8.RundeUnser Gegner in der 8. und vorletzten Runde hatte bis dahin ebenfalls 14 Punkte und auf dem Papier einen geringeren DWZ-Schnitt. Das bedeutet allerdings nicht, dass man einfach gewinnen kann. Jede Partie muss erstmal gespielt werden. Leander gab sich am 1. Brett mal wieder keine Blöße und gestaltete seine Partie siegreich. Dass er dabei bis zu den letzten 30 Sekunden kam, zeigte, dass sein Gegner auch etwas vom Spiel verstand und es ihm schon schwer gemacht hat. Nicholas konnte diesmal sein Können ausspielen. Souveräne Züge, Fesselungen und eine schöne Springergabel brachten ihm die gegnerische Dame und somit auch die Partie. Arne musste sich einem stärkeren Gegner beugen aber zeigte eine gute Partie. Sorgen machte mir Tony, der ein gewonnen geglaubtes Endspiel ohne Zeitnot in den Sand setzte und seinen Punkt doch noch verlor. Das Unentschieden und die beiden Brettpunkte brachte uns nicht sehr viel weiter. Vor der letzten Runde lagen wir mit 16 Brettpunkten auf dem 47. Tabellenplatz.

3.Tag

9. und letzte Runde:

9.RundeWir wollten noch einmal alles geben und ein paar Tabellenplätze gut machen. Vor allem aber wollten wir dieses Turnier mit einem Erfolgserlebnis beendet. Es ist nicht leicht, in drei Tagen so viele Partien zu spielen. Für alle Kinder eine erlebnisreiche aber auch anstrengende Zeit. Und so war auch bei unseren Jungs etwas die Luft raus.
Obwohl die Partie mit Arnes Sieg, deutlichem Sieg muss man sagen, begann und ich frohen mutes war.Es folgte aber leider eine erneute Niederlage von Tony, der zwar gute Ansätze während des Turniers gezeigt hat aber auch selber gemerkt hat, dass Talent alleine in Zukunft nicht ausreichen wird und es ohne Training nicht möglich ist auf diesem Niveau Punkte zu sammeln. Nicholas musste sich ebenfalls einem stärkeren Gegner beugen.  Leander fand gegen einen starken Gegner kein Durchkommen. Er verbrauchte viel Zeit fand aber keine Kombination, da der Gegner auch sehr geschickt verteidigte. Am Ende verlor auf Zeit, eine Partie die vielleicht hätte Remis enden können.

Wir beendeten das Turnier mit 17 Brettpunkte auf dem 5. Platz von 78 Mannschaften und damit knapp unter unserem Setzlistenplatz (41. Platz)

Es war für unsere Mannschaft die erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft. Die Kinder haben wertvolle Erfahrungen gesammelt. Nächstes Jahr wollen wir auf Berliner Ebene wieder angreifen und uns die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft erspielen. Dann, so haben es sich die Kinder vorgenommen, wollen sie weiter vorne spielen und noch besser abschneiden. Ich bin optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen können.

Athanasios Vassiliou